YéYé Surf

Handmade Jukebox Heroes

jump over for a beer

Hardy

Bass

Du bist Hagen! Dieses Zitat trifft den Ureinwohner der Stadt zwischen Ruhrpott und Sauerland ziemlich genau. Und er ist Bassist von The Cheapoes.

T-Base

Guitar

TBase ist die sechssaitige Wundermaschine von The Cheapoes. Ein ganzes Orchester, ein Stöhnen von Jane Birkin - kein Ding, TBase haut es raus.

Thomas

Drums

Trommeln braucht jedes Hexenfest. Sonnenbrillen sind wichtig. Die Stöcke sind gelb.

We want YOU!
Mitträumer gesucht - unterstütze uns beim Wahnsinn Vinyl
Musik für uns. Wir mögen das, was wir da spielen. Wir machen das nicht für Euch, für keine Charts und keinen Markt. Es macht eben Bock. Aber die Musik muss ja trotzdem raus und schauen, ob sie Leute dazu bewegen kann, ihre Hintern zu schwingen. Darum geht es doch. In einem Hinterhofbumms mal so richtig den Alltag zu vergessen. Bei guten Getränken und guter Musik. Ein Trio ohne Gesang ist immer gleich Surf. Rock ist es nicht, dafür haben wir zu viel YéYé in unserem Beat. Wir sind leichter, aber auch nerdiger: Oft geht es um die Dekonstruktion bekannter Melodien/Stücke - die Zutaten neu mischen oder getrennt servieren.
Manche vergleichen unseren musikalischen Grundansatz mit den Soundtracks der besseren Softpornos in den 24-Stunden-Kinos am Bahnhof. Bali-Surf trifft es daher ganz gut: Bahnhofs-Lichtspielhaus-Surf.
Cheapoes sind die unzuordbaren Platten der Plattenbörsen - das trifft es ganz gut. Unser erstes Album Dance or die live eingespielt, als Album gemixt und gemastert in mono oder stereo agibt es auf. www.bandcamp.com)
Unser Titel Jack the Reefer bekam eine Gremmy-Auszeichnung als interssanteste VÖ einer neuen Band im 2022er-Rückblick von Hunter King from Storm Surge of Reverb Radioshow
Im Frühjahr 2023 hat Malorny uns einen Musikfilm geschrieben und realisiert, der auf den Musikfilmen der 60er Jahre basiert. Den findet ihr auf youtube. Malorny hat auch schon bei der Cash-Dokumentation The Gift mitgewirkt.
Im Sommer 23 haben wir unsere Waterkant-Tour auf Fehmarn gemacht, mit  4 Konzerten an drei Tagen.
Über den Winter (also Anfang 24) haben wir das zweite Album Cheap mit Eigenkompositionen aufgenommen und gemischt und veröffentlicht (Bandcamp, spotify und als CD).
Zwei Surf-Radiostationen aus den USA haben unsere Songs schon gespielt, die Premiere des neuen vollen Programms gab es in Bottrop.
Im Sommer 2024 geht es dann wieder auf FehmaRRRn weiter. Wer Bock hat uns zu sehen, die Termine sind aktuell und ihr könnt uns auch gerne für Gigs anfragen.
Warum, wieso? imageWarum, wieso? image
New Album "CHEAP"
on bandcamp

Upcoming Events

TitleDateLocation
YéYé Surf the summer DINGDONG19 Jul 2024Brüderweg 9, Dortmund, Deutschland
YeYe Sund2431 Aug 2024Sit in Bar mit Tanz, Burg Breite Straße 33, 23769 Burg
YeYe Sund 2402 Sep 2024360 Grad Bar FehmarnZur Strandpromenade 6a, 23769 Fehmarn
Spooky´s Surf14 Nov 2024Hammer Straße 66, Münster, Deutschland

Past Events

TitleDateLocation
Cheap Release Konzert01 Jun 2024Hennie´s Inn Musiker Treff, Horster Str. 377, 46240 Bottrop
YeYe Surf den Schlittenhund15 Dec 2023Brüderweg 9, Dortmund, Deutschland
YeyeSpatz21 Sep 2023Hertingerstraße 31, Unna, Deutschland
HappyHappyDingDong01 Sep 2023HappyHappy DingDong
Sunday Sundown06 Aug 2023Orth, Fehmarn, Deutschland
YéYé Dance05 Aug 2023SIT IN Bar mit Tanz Burg, OT, Breite Str. 33, 23769 Fehmarn
YéYé Smile05 Aug 2023Zum Meeresstrand 100, 23769 Fehmarn, Deutschland
On the beach04 Aug 2023Cafe die Villa Orth Orth, Fehmarn, Deutschland
YéYé Surf22 Jun 2023Hertingerstraße 31, 59423 Unna, Deutschland
Delbrücke11 Mar 2023Im Dorfe 5, 33129 Delbrück, Deutschland
Schwerte Auf der Heide Musikkneipe24 Feb 2023Heidestraße 55, Schwerterheide 58239 Schwerte, Deutschland
Wir wollten mal wie in den 60ern einen Musikfilm drehen. Die ganze wahre Geschichte von The Cheapoes - schaut mal rein und sagt, was ihr davon haltet. Die Story ist schnell erzählt: Hardy und Thomas kommen mal wieder in die Kneipe, in der The Chepoes früher immer spielte. Plötzlich finden sie nicht nur Drinks und Karten, sondern auch T-Base den Gitarristen wieder. Und dann kommt noch Mary Jane hinzu und alle verfallen nach einem Schlangentrunk in einen Zustand der Ausgelassenheit - aber am Ende sind T-Base und Mary Jane wieder weg und Thomas und Hardy verlassen die Kneipe als wäre nichts gewesen. Dance or die? Es wurde getanzt und gestorben - oder war alles nur eine Illusion?
Drehbuch, Skript und Story: H. Malorny
Ganzer Film auf youtube - gerne kommen wir auch mit Film und Liveset zu euch!

Dance or die

Unser Album in stereo oder true mono auf Bandcamp (live eingespielt, klassisch gemixt und gemastert). https://thecheapoes.bandcamp.com/

  • Hagen, Deutschland

Wir spielen bei Euch. 120 Minuten Surf vom Feinsten. Auf eurem Fest, eurer Bühne, aber auch in eurem Garten oder Wohnzimmer. Gerne auch im Vorprogramm oder als Kombi-Act mit einem anderen Künstler. Hauptsache nicht Stock und nicht Steif. Unser Technical Rider schreibt Markenbier vor.

Teil 1 - eine Geschichte von Beatautor Hartmuth Malorny

Thomas saß am Steuer seines VW-Bullys, neben ihm Hardy, während sich T-Base auf dem Rücksitz lümmelte. Die drei näherten sich dem Ortseingangsschild von Hagen. Es war ein kühler, dunkler Frühlingsabend, 22 Uhr, alle drei leicht angetrunken und ziemlich gelassen. Plötzlich bremste Thomas stark ab, lenkte zum Seitenstreifen und stoppte genau vor dem Ortsschild. Er beugte seinen Körper runter und stützte sich am Lenkrad. Er nahm seine Sonnenbrille ab. Er starrte durch die Windschutzscheibe. „Und wieder überschreiten wir den Rubikon.“ Das hatten die drei seit zwei Jahren allmonatlich getan, wenn sie zum Simpl fuhren, um dort einen 60-minütigen Gig zu absolvieren. Thomas, Hardy und T-Base waren Hobbymusiker. Thomas trommelte, Hardy zupfte den Bass und T-Base malträtierte die E-Gitarre. Gesungen wurde nicht, was sie für die Samstagsshow im Simpl disqualifizierte. Stattdessen dieser Gig am Mittwoch, von 23 Uhr bis Mitternacht, zu einer Zeit, in der sich das Publikum ausdünnte. Doch sie hatten ein Dutzend Stammgäste, die jeden Monat das gleiche Programm hörten. Alle paar Monate wurde ein Song ausgewechselt, die Gage war mickrig. Hardy nahm einen Schluck aus der Weinflasche und reichte sie nach hinten. T-Base griff daneben, sie landete auf dem Rücksitz. Die letzte Pfütze lief aus. „Komm schon“, sagte Hardy zu Thomas, „wir ziehen nicht in den Krieg.“ T-Base öffnete eine Dose Bier. Zum Wein auf der Rückbank gesellte sich nun der Bierschaum. „Die Routine ist der Krieg“, meinte Thomas, den Blick weiterhin aufs Ortsschild gerichtet. Er ging in sich und irrte kurz umher. „Werd nicht philosophisch“, antwortete T-Base, „gib Gas, die Fans warten auf uns.“ Sie warteten auf die Cheapoes, diese Bali-Soft-Surf-Band ohne Gesang, entstanden vor zweieinhalb Jahren, als sie sich mehrmals bei Konzerten getroffen und beschlossen hatten eine eigene Band zu gründen. Thomas legte den ersten Gang ein und fuhr weiter. Trotz der Gewohnheit dieser Gigs, nichts neues schafft nichts neues, bezeichneten sich die drei als Vollblutmusiker, sie entlockten ihren Instrumenten seltsame Klänge mit Kaskaden auf Trommeln und Becken, wimmernden, zitternden Saiten, die manchmal schnurrten oder aufschrien, und wenn eine Harmonie entstand, wurde weiter improvisiert. Vor ihnen lagen drei Kilometer durch die Stadt.

 „Halt mal an der Jet-Tankstelle, ich brauche Zigaretten“, sagte Hardy. Kurz vor der Tankstelle sah Thomas einen Polizeiwagen. Er stoppte. „Fahr drauf“, sagte Hardy, „die Bullen haben besseres zu tun als drei alte, halb betrunkene Hippies in einem weinstinkenden alten Hippieauto zu kontrollieren.“ Das tat Thomas, und das Polizeiauto fuhr weg. Die hatten besseres zu tun. Eigentlich rauchte Hardy nicht, höchstens ein Mal im Monat, wenn die Cheapoes im Simpl spielten. Jene Gigs waren keine Pflicht, vielmehr eine, wie T-Base gerne sagte, Rekonvaleszenz vor dem Alltag. Dann wurde gespielt, getrunken und geraucht. Aber es war ein Intermezzo, sie hatten Jobs und Familie. Thomas war Pressesprecher eines metallverarbeitenden Unternehmens in Dortmund, Hardy ackerte mit Schaufel und Hacke als selbständiger Unternehmer die Gärten der anderen um, T-Base, freier Künstler, rückte dem Holz mit einer Kettensäge auf den Leib. Das Simpl allerdings, diese ehrwürdige Kaschemme, war Heimstatt der Aussortierten des gesellschaftlichen Systems, abgehängte, skurrile und exotische Gestalten, Aufschneider, Narzissten, graue Mäuse die sich im Bad der Farben tummelten, auf Zeit gepachtete Abenteurer und Zaungäste jeglicher Art. Ein Sammelsurium der Groteske. Wochentags öffnete das Simpl zur Mittagszeit, als Anlaufstelle für das tagestaugliche Publikum. Man knobelte oder versuchte sinnstiftende Gespräche zu führen, man drängelte den Wirt mal diese oder jene CD aufzulegen, und er schaltete öfter die alte Jukebox an. Sollen sie doch für ihre Musikwünsche bezahlen, dachte er. Einige der Singles waren älter als manche Gäste, andere so unbekannt wie eine dunkle Gasse in einer fremden Stadt. Außerdem hatte die Jukebox eine makabere Geschichte hinter sich, sie hatte zwei Menschen umgebracht. Das konnte kein Zufall sein, als ein Gast die Platte S-66 Schön ist es auf der Welt zu sein drückte und sich nach dem ersten Ton ans Herz fasste und wie von einer Kugel niedergestreckt zu Boden fiel. Sechs Monate später ereilte einen weiteren Gast, auch bei dieser Single, das gleiche Schicksal. Der Wirt ließ die Platte rausnehmen. Der VW-Bully bog von der Hauptstraße zum fast leeren Parkplatz für Gäste, Lieferanten und Musiker. Thomas stellte ihn am Hintereingang ab. 

Sie luden die Instrumente aus. Am Samstag lief die große Show der Woche, von 20 Uhr bis 2-3 Uhr nachts, mit Vor- und Hauptband, moderiert, und am Ende ein Instrumentalist, der den Abend ausklingen ließ. Die Tanzfläche war, wie der Wirt öfter meinte, gefüllt mit einem Haufen aus zuckenden Leibern und schlackernden Beinen. Die Cheapoes schafften es nie für die Samstagsshow, dann müsst ihr singen, hatte der Wirt gesagt, und weil sie das nicht wollten – oder konnten – dafür recht gut improvisierten, bekamen sie diese eine Stunde im Monat am Mittwoch. Samstags kostete der Eintritt 15 Euro, bei den Cheapoes nichts. Im Lokal ging es unaufgeregt zu. Eine halbe Stunde vor dem Auftritt der Surf-Bali-Band knobelten Titten-Werner und der Professor am Tresen, um sie ein paar Gestalten die auf den Schaum ihrer Biere starrten, fester und leerer Blick ins Glas, isolierte Individuen. Der schöne Konsul, ein 22jähriger arbeitsloser Beau, und Enrico, der früher am Hagener Theater gesungen hatte, diskutierten über die Schlagzeilen einer Boulevardzeitung. 

Die Bedienung schaute in die Runde, sie wartete auf Arbeit und Trinkgeld. Thomas bestellte Bier. An Hardy und T-Base gewandt: „Wir sollten nüchtern herkommen, dann haben wir mehr von unserer Bier-Gage.“ „Alkohol ist schädlich“, antwortete T-Base. „Aber nur, wenn dir ein Whiskeyfass vom fünften Stock auf den Kopf fällt“, sagte Hardy. Die drei kannten die Anlage des Simpl, und es war simpel die Instrumente anzuschließen, Stecker landeten in Buchsen, Kabel schlängelten sich über den Boden, Strom floss. So wie ein Witz auch ohne Worte Heiterkeit auslösen kann, so begannen die Cheapoes ohne Anmoderation, sie nickten sich zu, dann schlug Thomas die Stöcke. Das Parkett war leer. Selten zuckten die Arme der Gäste, öfter aber die Beine im rhythmischen Takt. Einige der Hardcorefans standen mit dem Rücken zur Band am Tresen, drei saßen am Tisch, der schöne Konsul und Enrico drängten sich zu Mary-Jane, bürgerlich Gertrude Koslowski, die gerade in den Schankraum trat. Normalerweise legte sie jedem, der es hören wollte und dafür bezahlte, die Tarot-Karten. Ihre Prophezeiungen waren höchst schwammig. Nach, zum Beispiel, der beruflichen Karriere gefragt, antwortete sie, man werde eine Veränderung erfahren. So war man auch vor einer Kündigung nicht sicher. Mary-Jane wurde das Orakel vom Simpl genannt. Sie winkte T-Base zu, er grüßte mit dem Gitarrenhals. Das tat er jeden Monat, wenn sie winkte. Die Leerräume zwischen den Songs dauerten nie lange, es gab nichts zu erzählen, sie spielten das Programm runter, und die Party ging weiter. Hardy und T-Base verschoben die Töne ein bisschen, mal eine Note tiefer oder höher, mal absichtlich schräg, und Thomas experimentierte mit den Becken oder versuchten die beiden aus dem Takt zu bringen, nach dem Motto: Es ist das Recht des Künstlers die Grenzen seiner Räume selbst zu gestalten. Beim letzten Song wirbelte Mary-Jane kurz über die Tanzfläche, vielleicht 10 Sekunden lang, bis ihr schwindelig wurde, dann knipste der Wirt das Licht an. Während Thomas, Hardy und T-Base ihre Instrumente ausstöpselten und einpackten, stellte sich Titten-Werner dazu, etwas lasziv, als wollte er Erotik vermitteln. Das kannten die drei. Titten-Werner war gelernter Transvestit. Es entstand der übliche kleine Tumult ums letzte Bier, jeder wollte noch einen Absacker. Hardy rauchte eine Zigarette – draußen vor der Tür. Thomas nahm die paar Euros Gage in Empfang, und T-Base wurde von Mary-Jane umschwänzelt. Die meisten Gäste gingen so, dass man es noch gut gefunden hätte, wenn sie geblieben wären. Aber den Bauch voller Bier und im Ohr ein paar Klänge. 

Plötzlich standen Thomas, Hardy und der Wirt allein vor dem Tresen. „Packen wir`s“, sagte der Wirt. Thomas zu Hardy: „Wo ist T-Base?“ Die Instrumente waren längst im Bully. Thomas inspizierte die Toilette. „Base ist wohl schon draußen“, meinte der Wirt, er wollte abschließen, nach Hause und selbst ein paar Biere trinken. „Vielleicht liegt er im Bully“, sagte Thomas. Als er die Fahrertür öffnete und reinguckte, lag niemand drin. „Ich schätze, Mary-Jane hat ihn verhext und auf einen Kaffee mitgenommen.“ Sie stiegen ein, Hardy kurbelte das Seitenfenster runter, Thomas zündete den Motor. Leichter Regen begleitete ihren Weg raus aus der Stadt. Hardy rauchte. Sie hörten eine CD von Johnny Cash. Der rechte Scheibenwischer kratzte. Thomas fuhr bis zu einem Hügel am Rande des Sauerlandes und folgte dem unbefestigten Weg nach oben. Im Kegel der Scheinwerfer erkannte man ein kleines Gehöft. Hardy streckte sich. „Na ja“, sagte er, „bis zum nächsten Mal“, und stieg aus. Thomas drehte den Wagen und fuhr los. War doch ein schöner Abend, dachte er. 


The Cheapoes     Teil 2

Die Zeit tat was sie konnte, sie ging durchs Land. Seit dem letzten Auftritt im Simpl, vor 10 Jahren,  hatten sich die Cheapoes nicht mehr gesehen. Hardy und Thomas hatten gleich am nächsten Tag telefoniert, auch eine Woche später, doch von T-Base keine Spur, das heißt, er meldete sich einfach nicht. Seine Werkstatt blieb geschlossen, niemand protestierte, niemand weinte dem Klang der Kettensäge nach. Hardy indes musste einen Mitarbeiter einstellen. Seit ein Schädling die Gärten der Region befallen hatte, gab es genug auszureißen und neu zu pflanzen. Thomas bezahlte seine Beförderung mit ein bisschen Freiheit, er wurde mehrtägig auf Dienstreisen nach Berlin geschickt, um die Öffentlichkeitsarbeit der neuen Niederlassung zu koordinieren. Langsam entfernten sich diese drei Punkte, die sonst in der Mitte lagen, bis an den Rand. Alljährlich flossen Ansichts- und Grußkarten von einem Punkt zum anderen, aber T-Base schickte nichts. Gewohnheit auf der Arbeit, Trott im Alltag, Neues verdrängte Altes, und schon war das Cocktail des Vergessens gemischt. Nichtsdestotrotz dachte Thomas an die Simpl-Jahre. Meistens, wenn er mit seinem neuen Saxophon, während seiner Berlin Aufenthalte, an den Wannsee fuhr und die Badegäste beschallte. Hardy, der mal einen halben Friedhof neu bepflanzen musste, nahm die Bassgitarre mit, stellte sich in ein frisch ausgehobenes Grab und schlug die Saiten zu Delia`s gone. „Gut“, sagte Thomas, „um Zehn am Simpl. Bis morgen.“ Er legte auf. 

Vor einer Woche hatten sich er und Hardy zufällig in einem Gitarrengeschäft getroffen. Man fand die Zeit für einen Kaffee nebenan und blieb salopp. Thomas: Dein Haar wird nicht mehr. Hardy: Dein Bauch wird nicht weniger. Man befragte sich die Leiter der Befindlichkeiten hoch und runter und blieb auf der Stufe zum Simpl stehen, das war der letzte Ort, an dem sie T-Base lebend gesehen hatten. „Sollen wir den Schuppen besuchen? Ich glaube, der Wirt schuldet uns noch eine Gage“, sagte Hardy. „Ja“, antwortete Thomas, „dann können wir sehen wer nicht mehr da ist.“ Eine Woche später trafen sich Thomas und Hardy vor dem Simpl. Es sah gewöhnlich aus. Sie gingen die Stufen hoch zum Eingang. Von innen war kein Geräusch zu hören. Thomas drückte die Klinke runter und öffnete die Tür. Hardy folgte. Sie horchten. Niemand sprach, lachte oder sang, keine Musik, nur Totenstille. Auch die Beleuchtung war ausgeschaltet. Hardy schaute Thomas fragend an. Sie traten in den großen Schankraum. Wenn nach der Leere ein Vakuum folgte, dann war es hier so. Thomas scherzte: „Jemand zu Hause?“ Tatsächlich antwortete niemand. Auf dem Boden und dem Mobiliar lag eine sichtbare Schicht von Staub. Spinnweben hielten ihn zusammen. Alles hatte den Anschein wie vor 10 Jahren benutzt und plötzlich verlassen: Halbvolle Schnapsflaschen, Gläser und CDs in den Regalen, Getränkekisten unterm Tresen, ein Stapel Bierdeckel obendrauf; vermutlich gingen die Gäste an einem Abend raus, und weder sie, noch der Wirt kamen je wieder. Nach der Verwunderung folgte die Neugier: Was war passiert? Um der Sache auf den Grund zu gehen, rückte Hardy zwei Hocker nebeneinander, wischte kurz über den Tresen, während Thomas zwei Gläser und eine Flasche Dimple entstaubte. Hardy schaltete die Beleuchtung an, sie funktionierte. 

Thomas ließ seinen Blick durch den Raum wandern, er sah die Musikbox in der Ecke, mit einer Plane abgedeckt. Er zog die Plane runter. „Komm mal“, rief er Hardy zu. Sie standen beide verwundert davor, denn sie war eingeschaltet. Auf dem Teller lag eine sich noch drehende Single, der Tonarm hatte es seit 10 Jahren nicht geschafft vom Ende in die Ausgangsposition zurückzukehren. Hardy verschränkte seine Arme. Thomas gab der Box einen Schubs, so machte man das wenn eine Platte festhing. Dann studierten sie die Titel. A-380: Andrea Jürgens, Dabei liebe ich euch beide. B-9: Ich zeig dir mein Paradies. C-14: Tina ist weg. „Sieht so aus“, sagte Hardy, „als hätte sie noch mein Vater bestückt, der war nämlich Vertreter bei Ariola und bekennender Andrea-Jürgens-Fan. Die Andrea hatte einen Hang zum Okkulten, ihm wurde auch erzählt, Jack White hätte sich beim texten von ihr beeinflussen lassen. Sie verfasste satanische Verse, was Jack zu den Titeln inspirierte. Während Andrea über Jesus und Satan lamentierte, schrieb Jack Dabei liebe ich euch beide. Und zu Ich zeig dir mein Paradies, waren Äußerungen vorausgegangen wie, das sei Satans Lockung für junge Mädchen.“ „Und warum ist Tina weg?“, fragte Thomas. „Vermutlich wurde sie vom Teufel als Blutopfer zerstückelt.“ Das schien alles ganz logisch. Die Logik ist nur ein menschliches Konstrukt und kein Naturgesetz. Die beiden setzten sich an den Tresen, prosteten in den leeren Raum und tranken Dimple. „So war es wohl gewesen“, sagte Thomas und versuchte im Spiegel gegenüber sein Antlitz zu erspähen, aber ohne Chance, der Spiegel, bzw. der Dreck darauf, absorbierte jegliches Licht. Ungefähr zwei Drinks lang saßen die beiden ohne Worte da, sie blickten sich um, dachten ihren Teil, konstruierten neue Teile und pflügten die Erinnerungen. „Selbstbedienung“, sagte Thomas. Beim Fehlen eines Wirtes bedarf es der Eigendynamik, er ging zum alkoholischen Regal, ließ seinen Blick schweifen und griff eine Flasche Absinth. Er pustete drüber. Bei den CDs fand er Miles Davis. Der CD-Rekorder funktionierte ebenfalls. „Lass uns zum Tisch“, sagte Hardy, und meinte den rechts von der Tanzfläche. Das war früher der Tisch seiner speziellen Fangruppe, bestehend aus drei Leuten. Endlich gab die Situation den nötigen Impuls, als die leere Kneipe mit Phantasie gefüllt wurde: Hardy und Thomas hörten sich selbst spielen, die Hintergrundgeräusche imaginärer Gäste, vertraute Stimmen oder eine Rückkoppelung. 

„Ich hab was im Urin“, sagte Hardy und schritt zur Toilette. „Hauptsache, es ist kein Nierenstein.“ Der Flur dorthin war unbeleuchtet. Er schaltete das Licht ein. Den Kopf noch voller Gedankensplitter, stolperte er nach rechts, und weil da eine Nische hinter einem Vorhang lag, stolperte er rein. Er sah die Konturen einer liegenden Gestalt. Auch dieses Etwas war staubbedeckt. Hardys Augen mussten sich an die Dunkelheit gewöhnen. Er beschleunigte den Prozess und zog den Vorhang zurück. Was haben wir denn da, dachte er, das müsste eine Leiche sein. Per Definition ist eine Leiche tot. Trotzdem kniete er runter, suchte zuerst den Kopf, dann die Füße, und von dort tastend die Hände. Hardy suchte einen Puls. Ohne Erfolg. Er rief Thomas. Der schaute ausführlich hin und meinte: „Wenn das jetzt ein Tatort ist, kommuniziert er nicht mehr.“ Sie fanden eine Bürste und fegte die Leiche frei. Als sie das Gesicht entstaubt hatten, war das Staunen groß. „Sieht aus wie T-Base“, sagte Hardy. „Hm, der Kerl ist einfach nicht älter geworden, guck mal, der sieht aus wie vor 10 Jahren.“ „In der Tat“, frotzelte Hardy, „wären wir heute auf Tournee, hätte er die besten Weiber.“ „Wir werden ihn wohl beerdigen müssen, aber nicht jetzt, er läuft uns ja nicht weg.“ Während er sich umdrehte und gehen wollte, hielt ihn Hardy zurück: „Sein rechtes Bein hat gezuckt.“ „Aha.“ „Ja, tatsächlich.“ Hardy berührte mit seinem Schuh T-Base` rechtes Bein. Leicht, etwas fester, sanfter Tritt gegen die Unterschenkel, und wieder zuckte das Bein. Eine chemisch-elektrische Reaktion war unwahrscheinlich, eher eine angespannte Sehne, die sich nach 10 Jahren endlich entlud. 

Fasziniert  betrachteten sie die Leiche. Dann begann die Transformation, T-Base schlug die Augen auf, blinzelte, hob seine Hände und rieb sich den restlichen Staub vom Gesicht. Nun betrachtete er Thomas und Hardy. Ohne eine Mine zu verziehen sagte er: „Ich weiß wo ich bin, fragt mich nicht.“ Man kannte sich, was gab es da zu fragen? Ob man von den Toten auferstanden sei? Ob er nur zu lange geschlafen habe? T-Base beklopfte seinen Anzug. Er drehte den Kopf mehrmals, hob rechte und linke Schulter abwechselnd, streckte den Körper und murmelte: „Ich müsste was trinken, hab einen staubtrockenen Hals.“ Ganz selbstverständlich kehrten sie zum Tisch zurück. Thomas holte noch zwei Flaschen aus dem Regal und spülte ein Glas. Gläser und Worte klickten aneinander. Lachen unterbrach das Gesagte. Frauen querten ihre Geschichten, sie wurden charakterlich seziert, wie eine von Hardys kleinen Nebenbekanntschaften, einer gewissen Dobi, die sich erst ganz einpudern musste, bevor man sie pudern durfte. T-Base füllte die Gläser nach und schaute Hardy an: „Dobi, ist das die Verniedlichung von Dobermann?“ „Nein“, antwortete Hardy, „das ist so, ihr Vater war gebürtiger Dortmunder, waschecht, und die Mutter stammte aus Bielefeld, und als das Baby kam, und sie immer noch nicht wussten wie es heißen sollte, fügten sie einfach die ersten Silben zusammen.“ „Haha“, lachte Thomas, „stellt euch vor, die Eltern stammten aus Hagen-Wehringhausen und Hagen-Haspe? Dann hätte man sie Wespe genannt.“ „Er redet wie ein klug gewordener Gott“, sagte Hardy pikiert. Fast übergangslos rutschten sie in eine musikalische Fachsimpelei, und würden hier Gitarren rumstehen, hätte man sie längst angeschlossen und bespielt. Schließlich war die Band wieder komplett. T-Base stöberte ein Kartenspiel auf. Er begutachtete die Rückseiten der Karten und suchte nach verdächtigen Mustern. Erst dann mischte er sie und fragte: „Worum spielen wir?“ „Um den Deckel“, antwortete Hardy. Pokern und Skat standen zur Disposition, eventuell Mau-Mau oder Schwarzer Peter. Er gab sie gleich so aus, dass man Skat spielen musste, denn beim Pokern hat ein Stock nichts zu suchen. T-Base spielte gerne alleine, also ohne Kompagnon, er brauchte nicht, wie es ein Mitspieler tun musste, auf die Karten des anderen zu achten, er wusste gleich, was die anderen hatten, wenn er sein Blatt betrachtete. Ohne Buben einen Grand zu gewinnen, war schon schwer. Deshalb verlor er das erste Spiel. Thomas mauerte gerne – um dann mit Wucht einen Durchmarsch zu erreichen. Hardys Kommentar: „Maurer und Dachdecker sind Himmelswesen.“ Alkohol, Spiel und Musik erwärmten die Gemüter. T-Base musste pinkeln. „Komm wieder zurück“, rief ihm Thomas hinterher, und an Hardy gerichtet: „Weißt du noch?“ „Ich weiß einiges, aber ich weiß nicht was du meinst.“ Thomas wusste es selbst nicht, denn einerseits meinte er das Auftauchen von T-Base, andrerseits die alte Zeit vor 10 Jahren. Wie unerwartet, wenn man das Unerwartete bereits hinter sich wähnt, betrat Mary-Jane die Szene. Sie war auf einem Trip, oder anderweitig high, und hatte eine Plastiktüte in der Hand, aus der sie eine Flasche holte. „Da seid ihr ja wieder“, wo ward ihr denn?“ T-Base lächelte. „Wir waren nie weg, setz dich doch.“ Bevor sie das tat, fand sie hinterm Tresen eine CD, legte sie in den Abspieler und drehte auf. Als die ersten Töne erklangen, trommelte Thomas mit den Fingern, Hardy wippte mit den Füßen und T-Base spielte Luftgitarre. Man hatte wohl irgendwann einen Gig der Cheapoes aufgezeichnet und eine CD gebrannt. Mary-Jane zog den Korken aus der Flasche, goss sich zwei fingerbreit ins Glas und fragte: „Noch jemand?“ Die Flasche war durchsichtig, unschwer zu erkennen die Konturen eines Japanischen Zwergoktopus, der tot oder vollkommen betrunken sein musste. „Wir trinken kein Formaldehyd“, protestierte Thomas. „Ach wo, das ist ein bewusstseinserweiterndes Getränk von einem afrikanischen Schamanen, das macht eure Fußnägel und Seelen geschmeidig.“ Diese Aussage schuf Vertrauen, jeder probierte. Aber vor dem Bewusstsein erweiterten sich erst die Blutbahnen, der Beat lag in der Luft, und schon blieben die Karten auf dem Tisch, denn Mary-Jane hatte Lust zu tanzen. Neben der Portion Alkohol hatte Thomas auch den Tanz im Blut, hochdekoriert von zwei Tanzschulen bis zum Goldstatus. Schon nach den ersten Schritten waren sie in eine Staubwolke gehüllt, aber die Aura bestand nicht nur aus materiellem Staub, viel mehr aus dunkler Energie, die sich wie eine Glocke um Zeit, Raum und Erinnerung gelegt hatte. Thomas wirbelte Mary-Jane übers Parkett. „Der ist in seinem Element“, sagte Hardy zu T-Base. „Scheint so.“ „Sollen wir knobeln?“ „Ja, aber den Kalten Schlag: drei Würfel, ein Wurf, die höchste Augenzahl gewinnt“, antwortete T-Base und fing gleich an. Drei Sechsen, mehr als ein Unentschieden war für Hardy nicht drin. Zweiter Wurf T-Base. Drei Sechsen. Hardy war keineswegs erstaunt, er lächelte auch beim dritten Sechser und warf drei Einser. Mary-Jane, hübsch errötet im Gesicht, und Thomas kehrten zum Tisch zurück. Sie tranken je einen Fingerhut vom afrikanischen Seelenschnaps und spülten ihn mit Whiskey runter. T-Base setzte zum nächsten Wurf an. Er selbst glaubte mittlerweile daran, dass es wieder Sechser sein würden. Es stimmte. „Der nächste Tanz gehört dem Gewinner“, sagte Mary-Jane kokett. T-Base war bereits der Gewinner, doch mit einer gewissen Hybris füllte er den Becher erneut, hielt ihn beschwörend hoch, ließ die Würfel im Takt der Musik sekundenlang klackern, und warf ihn zu Tisch. Doch er hob nicht ab. 

Das tat Hardy, nachdem T-Base aufgestanden und Mary-Jane zum Tanz geführt hatte. „Der kann nur Sechser würfeln“, sagte er. Mittlerweile hatten alle konsumierten Alkoholika ihren Weg in die Hirne gefunden, man bediente sich weiter aus den Regalen und schaltete die Cheapoes-CD auf Wiederholung. Es folgten Drinks und Tanz. Es ging solange gut, bis die Füße immer schwerer wurden. Dann wurde man sesshaft. „Seht ihr auch blaue Kreise?“, fragte Mary-Jane. Die anderen bejahten. „So sind wir definitiv auf einem Trip.“ Sie versuchte den Oktopus mit einem Holzstäbchen aus der Flasche zu holen, schließlich ist er irgendwie reingekommen. Natürlich wurde es weder eine Sauerei noch ein Massaker, denn die Flasche war leer und Mary-Jane high. „Hier steckt ein schlechtes Karma drin“, sagte sie und ließ offen, ob die Flasche oder das Simpl gemeint war. „Wer Staub aufwirbelt, wird darin ersticken“, fügte sie lachend hinzu. Das Lachen klang simpel. T-Base lachte mit. Die Deckelrechnung musste noch ausgespielt werden, obwohl keiner beabsichtigte, sie tatsächlich zu bezahlen. Wem auch. Der Knobelbecher stand da. Thomas legte vor, Hardy zog nach und T-Base warf drei Sechser. Ein halbes Dutzend Würfe später rief Thomas: „Da scheißt der Hund aufs Feuerzeug, sind die Würfel verhext? Das ist bestimmt der Schamanenschnaps, nicht wahr, Mary?“ Er schaute in ihre Richtung, doch ihr Stuhl war leer. „Wo ist sie hin? Habt ihr eine Rauchwolke gesehen?“ „Sicher auf dem Klo, nachlegen“, sagte Hardy. Wegen der bisherigen Ereignisse, und den vielleicht noch kommenden, beschlossen sie, den Dingen unveränderbar ihren Lauf zu lassen. Draußen musste es längst dunkel sein, oder schon wieder hell. 

Die Zeiger der Barcadi-Wanduhr standen auf 11:30, und hatten sich seitdem nicht mehr bewegt. Eventuell doch, und zwar um exakt 12 Stunden? Auch wie oft Jack the reefer bereits in Wiederholungsschleife lief, konnte keiner sagen. Jeder war mit seinem eigenen Gedankengut beschäftigt, sie schauten sich eine Sekunde gemeinsam an, erklommen Gipfel, tauchten im Meer, ersannen Geschichten und gossen ihre Gläser voll. Hardy murmelte ein paar Worte, um einen philosophischen Satz zu schaffen. T-Base nahm den Würfelbecher und würfelte ohne Ambition. Fast gelangweilt registrierte er die Sechsen. Als hätte der Würfel keine anderen Zahlen. Er dachte an seinen alten Höfner-Bass, der je nach Jahreszeit seltsam geklungen hatte. Der Verkäufer hatte ihm gesagt, es handele sich um die Bassgitarre von Paul McCartney, sie habe Jahrzehntelang in einem feuchten Keller gelegen.  Thomas stützte sich auf dem Tisch ab und schaute, wie ein Neutrino durch all die Materie hindurch glitt. Er folgte dem Teilchen bis zur nächsten Erdkrümmung, rund um den Globus und ab ins Weltall. Thomas managte die Cheapoes. O.K., er managte die Auftritte allmonatlich im Simpl. O.K., er rief Hardy und T-Base an und erinnerte sie pünktlich zu sein. Um Proben kümmerte sich T-Base, er hatte die Schlüssel zum Proberaum. Hardy zahlte die Miete, holte sich 2/3 Drittel von den beiden wieder. Ungefähr in dieser Reihenfolge liefen die Tätigkeiten der Synapsen ihrer Gehirne, etwas verblasst, hauptsächlich verklärt, doch recht ehrgeizig. Und schon planten die Cheapoes den nächsten Auftritt, zumindest mental, unwissend was morgen sein wird. Es gab Frauen, Kinder, Lebenspartner, Hunde und Wellensittiche, die versorgt werden wollten. Einstein hätte was dagegen, wenn sie die Zeit zurückdrehen würden, dann müssten sie auch Frauen, Kinder und Hunde zurückdrehen. Die Cheapoes saßen am Tisch. Der Außenstehende würde ihnen halbtrunkene Volltrunkenheit attestieren, aber keiner stand draußen, und niemand anderes war drin. Es sei denn, Mary-Jane hätte sich zum Entmaterialisieren in der Nische verkrochen. Unvermittelt begann die Jukebox selbständig zu arbeiten. Eine Single wurde vom Schacht geführt und auf den Teller gelegt, der Abspielarm schob sich zum Anfang. Es knisterte. Schön ist es auf der Welt zu sein. „Heintje war der Albtraum meiner Großmutter“, sagte T-Base, legte die Schamanenflasche flach und drehte sie. Er drehte sie schon so, dass der Hals immer auf einen der anderen zeigte. Dann richtete er den Flaschenhals auf sich selbst und sagte: „Mein Schicksal ist das Klo, da muss ich hin.“ 

Sein Abgang war wenig theatralisch, aber er kam nicht wieder. Als sich Thomas und Hardy kurzfristig im Zeitgefühl zurechtfanden, standen sie auf, beschworen sich bei Gefahr zu stützen, und gingen zum Klo. Das Männerklo war leer. Die Scheißkabine auch. Sie drängten sich, schauten abwechselnd zur Decke, um ein Loch zu erkennen, und auf den Boden. Erst zum Schluss hoben sie den Klodeckel hoch und inspizierten das offensichtliche Loch, das überhaupt zum verschwinden geführt haben könnte. Hardy schüttelte den Kopf: „Da passt T-Base nimmer durch.“ „Wenn er seinen Aggregatzustand gewechselt hat?“ Es gab noch einige Wein-Whiskey-Likörflaschen halb und viertel gefüllt, für gewöhnlich ladet ein Wirt vor der Insolvenz seine Stammkundschaft zum Restetrinken ein. Der Wirt vom Simpl hatte es wohl versäumt. Thomas und Hardy kehrten langsam in ihre eigene Welt zurück, zum Tisch, jedenfalls jeder in seine, trotzdem in die gemeinsame Realität. Sie sprachen darüber, wie sie den nächsten Gig am Mittwoch gestalten sollten. „Es läuft wie üblich“, sagte Hardy. Thomas zweifelte: „Wenn, wie heute, keine Gäste kommen?“ „Heute haben wir auch nicht gespielt.“ Knietief versunken im Sumpf der Subjektivität, von afrikanischen Geistern behaftet, gewannen Thomas und Hardy irgendwann den Überblick. „Erinnerst du dich“, fragte Thomas, „als der Wirt sagte, wir sollten es packen? Hm? Packen wir`s?“ „Ja, packen wir`s.“ Gott sei Dank schien ihnen keine grelle Morgensonne ins Gesicht, sie wussten zwar, dass es Morgen war, aber der Himmel hatte nur Wolken zu bieten. Als sie das Simpl verließen, setzte Thomas seine Sonnenbrille auf: „Würde sagen, bis Mittwoch.“ Er ging rechts rum. „Bis dahin“, rief Hardy, und schwenkte nach links.

A week later, Thomas and Hardy met in front of the Simpl. It looked ordinary. They went up the steps to the entrance. No sound could be heard from inside. Thomas pushed the handle down and opened the door. Hardy followed. they listened. Nobody spoke, laughed or sang, no music, just dead silence. The lights were also off. Hardy looked questioningly at Thomas. They entered the large taproom. If the void was followed by a vacuum, then so it was here.
Thomas joked, "Anyone home?"
In fact, nobody answered. There was a visible layer of dust on the floor and furniture. Cobwebs held him together. Everything had used the appearance of 10 years ago and suddenly left: half-full schnapps bottles, glasses and CDs on the shelves, crates of drinks under the counter, a stack of beer mats on top; the guests probably went out in one evening and neither they nor the landlord ever came back.
Astonishment was followed by curiosity: what had happened? To get to the bottom of it, Hardy pulled up two stools next to each other and gave the counter a quick wipe while Thomas dusted off two glasses and a bottle of Dimple. Hardy turned on the lights, they worked. Thomas let his eyes wander around the room, he saw the music box in the corner, covered with a tarpaulin. He pulled down the tarpaulin.
"Come on," he called to Hardy.
They both stood in front of it, amazed, because it was switched on. A single was still spinning on the platter, the tonearm hadn't managed to return from the end to the starting position for 10 years. Hardy crossed his arms. Thomas gave the box a nudge, that's what you do when a record is stuck. Then they studied the titles. A-380: Andrea Jürgens, I love you both. B-9: I'll show you my paradise. C-14: Tina is gone.
"Looks like," said Hardy, "as if my father had equipped it, he was a representative at Ariola and a self-confessed Andrea Jürgens fan. Andrea had a penchant for the occult, he was also told that Jack White had been influenced by her when writing the lyrics. She wrote satanic verses, which inspired Jack to write the titles. While Andrea lamented about Jesus and Satan, Jack wrote I love you both. And I'll show you my paradise was preceded by comments like that's Satan's enticement to young girls.”
"And why is Tina gone?" Thomas asked.
"It was probably dismembered by the devil as a blood sacrifice."
It all seemed logical. Logic is just a human construct and not a law of nature. The two sat down at the counter, toasted the empty room and drank Dimple.
"It must have been like that," Thomas said and tried to see his face in the mirror opposite, but without a chance, the mirror or the dirt on it absorbed all the light.
For about two drinks, the two sat without a word, looking around, thinking their part, constructing new parts, and plowing the memories.
"Self-service," said Thomas.
In the absence of an innkeeper, it needs momentum of its own, he went to the alcoholic shelf, let his eyes wander and grabbed a bottle of absinthe. He blew on it. Among the CDs he found Miles Davis. The CD recorder also worked.
"Let's go to the table," Hardy said, meaning the one to the right of the dance floor. This used to be the table of his special fan group, consisting of three people.
Finally the situation gave the necessary impetus as the empty bar was filled with imagination: Hardy and Thomas heard themselves play, the background noise of imaginary guests, familiar voices or a feedback.
"I've got something in my urine," Hardy said, walking to the bathroom.
"The main thing is that it's not a kidney stone."
The hallway there was unlit. He turned on the light. Head still full of shards of thought, he stumbled to the right, and because there was an alcove behind a curtain he stumbled in. He saw the outline of a lying figure. That something, too, was covered in dust. Hardy's eyes had to adjust to the darkness. He rushed the process and pulled back the curtain. What have we got here, he thought, that must be a corpse. By definition, a corpse is dead. Still, he knelt down, searching first for the head, then for the feet, and from there, groping for the hands. Hardy checked for a pulse. Without success. He called Thomas. He took a close look and said: "If this is a crime scene, he no longer communicates."
They found a brush and swept the body free. When they had dusted off the face, the astonishment was great.
"Looks like T-Base," Hardy said.
"Hm, the guy just hasn't gotten any older, look, he looks like he did 10 years ago."
"In fact," Hardy teased, "if we were on tour today, he'd have the best women."
"We'll probably have to bury him, but not now, he's not running away from us."
As he turned to leave, Hardy held himback: "His right leg twitched."
"Aha."
"Yes indeed."
Hardy touched T-Base's right leg with his shoe. Light, somewhat firm, gentle kick against the lower legs, and the leg twitched again. A chemical-electrical reaction was unlikely, more like a strained tendon that finally discharged after 10 years. Fascinated, they looked at the corpse. Then the transformation began, T-Base opened his eyes, blinked, raised his hands and rubbed the remaining dust from his face. Now he looked at Thomas and Hardy. Without batting an eyelid he said: "I know where I am, don't ask me."
You knew each other, what was there to ask? Have you risen from the dead? Did he just sleep too long?
T-Base tapped his suit. He turned his head several times, alternately raised his right and left shoulder, stretched his body and murmured: "I need to drink something, my throat is dry as a bone."
Of course they returned to the table. Thomas got two more bottles from the shelf and rinsed a glass. Glasses and words clicked together. Laughter interrupted what was being said. Women crossed their stories, their characters dissected, like one of Hardy's little side acquaintances, a certain Dobi, who had to powder herself all the way before she could be powdered. T-Base refilled the glasses and looked at Hardy, "Dobi, is that the nickname for Doberman?"
"No," Hardy replied, "that's the way it is, her father was born in Dortmund, a real bred, and the mother came from Bielefeld, and when the baby came and they still didn't know what it should be called, they just added the first syllables together."
“Haha”, laughed Thomas, “imagine your parents came from Hagen-Wehringhausen and Hagen-Haspe? Then they would have been called Wasp.”
"He talks like a god who has become wise," Hardy said scornfully.
Almost seamlessly they slipped into a musical shop talk, and if there were guitars standing around here, they would have been connected and played long ago. Finally the band was complete again.
T-Base found a deck of cards. He examined the backs of the cards, looking for suspicious patterns. Only then did he shuffle them and ask, "What are we playing about?"
"Around the lid," Hardy replied.
Poker and skat were up for grabs, possibly Mau-Mau or Schwarzer Peter. He immediately gave them out in such a way that you had to play skat, because a stick has no place in poker. T-Base liked to play alone, i.e. without a partner, he didn't have to pay attention to the other player's cards like a fellow player had to do, he knew immediately what the others had when he looked at his hand. It was difficult to win a grand without jacks. That's why he lost the first game. Thomas liked to stonewall - to then achieve a march through with force.
Hardy's comment: "Masons and roofers are heavenly beings."
Alcohol, games and music warmed spirits. T-Base had to pee.
"Come back," Thomas called after him, and to Hardy, "Remember?"
"I know some things, but I don't know what you mean."
Thomas didn't know it himself, because on the one hand he meant the appearance of T-Base, on the other hand the old time 10 years ago.
As unexpectedly when one thinks the unexpected already behind oneself, Mary-Jane entered the scene. She was tripping, or otherwise high, and was holding a plastic bag from which she pulled a bottle.
"There you are again, where were you?"
T-Base smiled. "We've never been away, sit down."
Before she did, she found a CD behind the counter, put it in the player and cranked it up. When the first notes rang out, Thomas drummed his fingers, Hardy tapped his feet and T-Base played air guitar. At some point they probably recorded a Cheapoes gig and burned a CD. Mary-Jane pulled the cork out of the bottle, poured two fingers into the glass and asked, "Anyone else?"
The bottle was clear, and it was easy to see the contours of a Japanese pygmy octopus, dead or drunk.
"We don't drink formaldehyde," Thomas protested.
"Oh wow, that's a mind-expanding drink made by an African shaman, it'll make your toenails and souls supple."
This statement created trust, everyone tried. But before consciousness the bloodstreams dilated, the beat was in the air, and then the cards stayed on the table, because Mary-Jane felt like dancing. In addition to the portion of alcohol, Thomas also had dance in his blood, highly decorated by two dance schools up to gold status. Even after the first steps they were enveloped in a cloud of dust, but the aura was not only made of material dust, but rather of dark energy that had settled like a bell around time, space and memory. Thomas whirled Mary-Jane across the floor.
"He's in his element," Hardy told T-Base.
"Seems so."
“Shall we knobel?”
"Yeah, but the Cold Strike: three dice, one roll, highest number wins," T-Base replied and started right away.
Three sixes, more than a draw was not possible for Hardy. Second throw T-Base. Three sixes. Hardy wasn't surprised at all, he also smiled on the third six and threw three ones. Mary-Jane, blushing prettily, and Thomas returned to the table. They each drank a thimble of African soul liquor and washed it down with whiskey. T-Base started the next throw. He himself now believed that there would be sixes again. It was true.
"The next dance belongs to the winner," said Mary-Jane coquettishly.
T-Base was already the winner, but with a certain hubris he filled the cup again, held it up imploringly, let the dice clack in time to the music for a few seconds, and threw it to the table. But he didn't answer. Hardy did so after T-Base got up and led Mary-Jane to the dance.
"He can only throw sixes," he said.
In the meantime, all the alcohol consumed had found its way into people's brains, they continued to help themselves from the shelves and put the Cheapoes CD on repeat. Drinks and dancing followed. It was going well until my feet got heavier and heavier. Then you became sedentary.
"Do you see blue circles too?" asked Mary-Jane.
The others agreed.
"So we're definitely on a trip."
She tried to get the octopus out of the bottle with a wooden stick, but eventually it somehow got in. Of course it wasn't a mess or a massacre because the bottle was empty and Mary-Jane was high.
"There's bad karma here," she said, leaving it open whether the bottle or the simpl was meant. "Anyone who raises dust will choke in it," she added, laughing. The laugh sounded simple. T-Base laughed along.
The cover bill had yet to be played out, although neither intended to actually pay it. Whom too. The knob cup stood there. Thomas advanced, Hardy followed, and T-Base threw three sixes. Half a dozen throws later, Thomas called out: "The dog shits on the lighter, are the dice jinxed? It must be the shaman's liquor, isn't it, Mary?”
He looked her way, but her chair was empty.
"Where has she gone? Did you see a puff of smoke?”
"Sure on the loo, refill," Hardy said.
Because of the events so far, and those that may be yet to come, they decided to let things unchangeably take their course. It must have been dark outside by now, or already light again. The hands of the Barcadi wall clock said 11:30, and hadn't moved since. Maybe it is, and at exactly 12 hours? Also how often Jack the reefer already ran in a repeat loop, no one could say. Each occupied with their own thoughts, they spent a second looking at each other, climbing peaks, diving in the sea, making up stories and filling their glasses. Hardy mumbled a few words to create a philosophical sentence. T-Base took the dice cup and rolled the dice without ambition. Almost bored, he registered the sixes. As if the dice had no other numbers. He thought of his old Hofner bass, which had sounded strange depending on the time of year. The seller had told him it was Paul McCartney's bass guitar and had sat in a damp basement for decades.
Thomas braced himself on the table and watched a neutrino slide through all the matter. He followed the particle to the next bend in the earth, around the world and off into space. Thomas managed the Cheapoes. O.K., he managed the performances every month at the Simpl. OK, he called Hardy and T-Base and reminded them to be on time. T-Base took care of rehearsals, he had the keys to the rehearsal room. Hardy paid the rent, got 2/3 of the two back. Roughly in this order ran the activities of the synapses of their brains, somewhat faded, mainly glorified, but quite ambitious. And the Cheapoes were already planning their next gig, at least mentally, not knowing what tomorrow would bring. There were women, children, life partners, dogs and budgerigars who wanted to be taken care of. Einstein would object if they turned back time, they would have to turn back women, children and dogs too.
The cheapoes sat at the table. The outsider would say they were half-drunk fully drunk, but no one was outside and no one else was in. Unless Mary-Jane had crouched in the alcove to dematerialize. Suddenly the jukebox started to work independently. A single was guided from the shaft and placed on the plate, the playback arm pushed to the beginning. It crackled. It's nice to be in the world.
"Heintje was my grandmother's nightmare," said T-Base, laying the shaman's bottle flat and spinning it. He already turned it so that the neck always pointed to one of the others. Then he pointed the bottleneck at himself and said: "My destiny is the toilet, that's where I have to go."
His departure was not very theatrical, but he did not come back. When Thomas and Hardy found their bearings in the moment, they got up, implored themselves to support themselves in case of danger, and went to the toilet. The men's room was empty. The shit cabin too. They huddled together, alternately looking at the ceiling to see a hole and at the floor. It was only at the end that they lifted the toilet lid and inspected the obvious hole that might have caused it to disappear in the first place.
Hardy shook his head: "T-Base will never fit through."
"If he has changed his state of aggregation?"
There were still a few wine-whiskey-liqueur bottles half and quarter full, before bankruptcy an innkeeper usually invites his regular customers to drink leftovers. The innkeeper at the Simpl must have missed it. Thomas and Hardy slowly returned to their own world, to the table, each to their own anyway, but to the common reality. They talked about how to organize the next gig on Wednesday.
"It's business as usual," Hardy said.
Thomas doubted: "If, like today, no guests come?"
"We didn't play today either."
Knee-deep in the swamp of subjectivity, afflicted by African spirits, Thomas and Hardy eventually gained the overview.
"Remember," Thomas asked, "when the landlord said we should pack it? Hm? Can we pack it?“
"Yes, let's do it."
Thank God the bright morning sun didn't shine in their faces, they knew it was morning, but the sky only had clouds to offer. When they left the Simpl, Thomas put on his sunglasses: "I'd say until Wednesday."
He turned right.
"See you then," Hardy called, veering left.

written by H. Malorny

8 - 88 - denn wir machen handgemachte Musik, die sich von 1930 bis zum 21. Jahrhundert in der Muskgeschichte bedient und dies in unseren The Cheapoes-Sound übersetzt. Wir nehmen Melodien aus TV, Werbung und Radio, wir stöbern in den abseitigen Plattenkisten (bei den Cheapoes - Fachbegriff für die nicht einordbaren Tonträger im Vinyl) und machen daraus was tanz- und erlebbares.
Unser Programm ist 120 Minuten lang, es wird immer frisch zusammengestellt und wir können gerne Pausen einlegen, damit es auch Zeit gibt, an die Theke(n) zu schlendern. Wir können aber auch 60 (Vorband) - 80 Minuten (Festival) Vollgas, unter 45 Minuten spielen wir nicht.
2 Steckdosen für die Verstärker - das ist die Basis. Aber für Ansagen und die Unterhaltung des Publikums auch gerne eine Anlage für die Sprache und etwas Licht macht es auch fein. Aber generell kommen wir klar, einfach sprechen. Wir stellen keine unerfüllbaren Forderungen, quetschen uns aber auch nicht hinter den Kühlschrank. Wir bekommen es hin!
The Chepoes wurden 2022 gegründet. Sie kommen aus Hagen und spielen instrumentalen YéYéSurf. Ihre Single Jack the Reefer wurde 2022 vom amerikanischen Surfradio zu den interesssantesten Neuerscheinungen gewählt. The Cheapoes haben ein Album veröffentlicht (Dance or die) und 2023 auch einen gleichnamigen Musikfilm. The Chepoes sind T-Base, Hardy und Thomas
FehmaRRRn image
Am ersten Augustwochenende 23 machten The Cheapoes ihre Waterkant-Tour auf Fehmarn. 4 Gigs an drei Tagen - drei davon Open Air.
Dazu Videomaterial für den neuen Song FehmaRRRn und passendes Merch. Der Auftritt im SIT IN Bar mit Tanz wurde live auf dem Stream von der beliebten Sonneninsel übertragen und erreichte viele hundert Zuschauer.

Nicht vergessen

Eine Live-Band kann man buchen und muss man live sehen

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